Discounter für Walbeck: Segen oder Fluch?

In diesem Beitrag möchte ich versuchen, die Diskussion rund um den geplanten Neubau eines Discounters in Walbeck am Küpperssteg etwas “aufzudröseln”. Natürlich bin ich als Inhaber des REWE-Marktes gleich gegenüber wohl etwas befangen, wer mag es mir verdenken.

Brauchen wir einen Discounter?
Das Einzelhandelsgutachten der Stadt Geldern aus dem Jahre 2006 spricht für Walbeck von einer „verhältnismäßig guten Ausstattung“ und sieht im Bereich Lebensmittel einen zusätzlichen Bedarf von ca. 400m² Verkaufsfläche. In diese Berechnung ist der Getränkemarkt Geldermann noch nicht einmal mit eingeflossen, da er nicht im Kerngebiet von Walbeck liegt.

Das war wohlgemerkt 2006 und man ging hier von steigenden Einwohnerzahlen aus. Heute stellt sich die Situation etwas anders dar. Die Einwohnerzahlen sind seit Jahren rückläufig, Walbeck hat heute “nur noch” 4.583 Einwohner, Stand März 2011. Laut Wikipedia waren es am 30. Juni 2007 noch 4.692 Einwohner.

Die Verwaltung der Stadt Geldern befürwortet das Projekt mit einem 800m² Discounter, einem 400m² Getränkemarkt sowie einem (weiteren) Bäcker. Das sind zusammen rund 1200 – 1300m² Verkaufsfläche im Bereich Lebensmittel. Auch mit viel Optimismus ist dies nur schwer nachzuvollziehen.

Warum gerade Penny
Die Antwort liegt auf Hand: kein anderer Discounter war/ist an dem Standort interessiert. Auf der Website des Firma Schoofs (Projektentwickler für den Discounter in Walbeck) findet folgende Information: “Wir sind immer auf der Suche nach Grundstücken, auf denen wir „unsere Märkte bauen“ können und suchen generell in Gemeinden und Städten ab 10.000 Einwohnern.” Ähnliche Anforderungen findet man auch bei Aldi oder Lidl.

Selbst Penny fordert auf seiner Internetseite “Orte/Städte ab 5.000 Einwohner, Einzugsgebiet mindestens 10.000 Einwohner”. Wie Penny seine eigenen Anforderungen an diesem Standort erfüllt sieht bleibt rätselhaft. Gerüchten zufolge hat Penny in seine Berechnungen einen relativ hohen Anteil an Kunden aus den Niederlanden mit einberechnet, ein “ambitioniertes Vorhaben”.

Noch ein paar Worte zu Penny: Penny ist die Nummer 4 unter den Deutschen Discountern, hinter Aldi, Lidl und Netto. Und Penny hat enorme Probleme, die Lebensmittelzeitung schrieb am 2. Dezember 2010: “Die Talfahrt bei Penny ist ungebremst. Nach LZ-Informationen droht Penny Deutschland 2010 ein Verlust in mittlerer zweistelliger Mio. Euro-Höhe. Penny fehlt es an Frequenz. Die fortlaufenden Preissenkungen und hohe Abschreibungen auf Nonfood-Ware belasten das Ergebnis.” Es ist von “Suche nach Identität”, “Umstrukturierung” usw. die Rede. Nach GfK-Zahlen hat Penny von Januar bis September 2010 rund 2,5 Prozent Umsatz verloren.

Übrigens: Der REWE-Markt in Walbeck und Penny haben nur eines gemeinsam, nämlich den Namen des Mutterkonzerns REWE. Der REWE-Markt Walbeck ist der REWE-Dortmund Genossenschaft angeschlossen, die zwar eng mit der REWE-Zentrale in Köln kooperiert, aber eine eigenständige Genossenschaft ist und bleiben wird. Penny ist eine Tochter der REWE-Zentrale mit eigenständigem Management und akquiriert seine Standorte eigenständig. Die REWE-Dortmund befürwortet eine Ansiedlung von Penny weder an diesem Standort noch in Walbeck überhaupt.

Wenn Penny nicht kommt, wird der REWE wohl zumachen müssen?
Diese Behauptung konnte man bei der Bürgerversammlung am Donnerstag mehrfach von Herrn Schoofs vernehmen. Als Kenner der Branche sollte er es eigentlich besser wissen. Das ist natürlich ziemlicher Quatsch, die derzeitige Konstellation funktioniert in Walbeck seit vielen Jahren für alle Beteiligten zufriedenstellend und wird es auch weiter tun!

Wenn Penny nach Walbeck kommt, wird der REWE wohl zumachen müssen?
So wird schon eher ein Schuh daraus. Laut Gutachten ist für das Lebensmittelsegment in Walbeck mit einer Umverteilung von etwa 300 000 Euro pro Jahr zu rechnen. Im Getränkebereich (Geldermann und Rewe) gehen die Fachleute von 200 000 Euro aus.

300.000 Euro plus ein Anteil aus dem Getränkesegment sind schon ein ordentlicher Batzen Umsatz, der dann in der Kasse fehlen wird. Und wer weiss schon, wie belastbar diese Schätzungen sind. Vielleicht sind die Verschiebungen geringer, vielleicht aber auch deutlich höher. Ich traue mir derzeit nicht zu, das genau zu beziffern.

Man darf nicht vergessen, dass fixe Kosten wie Miete, Strom, Gas usw. ja nicht weniger werden, lediglich im Bereich Personal kann man durch Entlassungen Kosten sparen um die fehlenden Deckungsbeiträge auszugleichen.

Wer sich im Lebensmittelhandel ein wenig auskennt, der weiss, dass hier mit knappen Margen und spitzem Bleistift gerechnet werden muss, um rentabel zu arbeiten. Am Ende wird unterm Strich eine deutlich niedrigere Zahl stehen und ob das dann noch reicht, Kapitalbindung, Risiko und Arbeitsaufwand vor sich selbst rechtfertigen zu können, bleibt abzuwarten.

Penny bietet rund 1600 Artikel komplett in Selbstbedienung an.

Der REWE-Markt bietet rund 6.000 Artikel, darunter Fleisch, Wurst und Käse mit einem reichhaltigen Sortiment in Bedienung, eine gut sortierte Obst- und Gemüseabteilung und vieles mehr. Außerdem bietet er mit dem Dauerbilligpreis-Programm (Ja!-Produkte usw.) rund 600 Artikel auf dem gleichen Preisniveau wie alle Discounter an (REWE Tiefstpreis-Kontrolle)

Unser Bestreben ist es natürlich, den REWE-Markt auch im Falle eines Falles weiter zu betreiben, aber eine Garantie gibt es nun mal nicht. Wenn Walbeck dann am Ende mit einem schönen neuen Discounter, dafür aber ohne REWE dasteht, dann ist damit wohl keinem gedient. Wie das aussieht, kann man sich gut in Veert ansehen. Dort gibt es jetzt nur noch den Discounter, selbst der Getränkemarkt, der sich im Gebäude des ehemaligen REWE-Marktes angesiedelt hatte, ist inzwischen schon wieder geschlossen. Hier soll jetzt der bestehende Baumarkt erweitert werden.

Auch sollte man berücksichtigen, dass der REWE-Markt derzeit rund 20 Mitarbeitern Beschäftigung gibt, ein Penny dürfte mit 6-8 Mitarbeitern auskommen. Aus kostenintensive Bedienungsabteilungen und weitreichenden Service wird hier bewusst verzichtet.

Der REWE müsste auch mal investieren…
Ja, es ist nicht von der Hand zu weisen, der REWE-Markt ist schon etwas in die Jahre gekommen. Der Investitionsbedarf ist da und bekannt. Allerdings hemmt uns die aktuelle Situation bei Investitionsentscheidungen. Seit Jahren schon versucht man in Walbeck einen Discounter zu installieren, sei es aktuell unser Nachbar von gegenüber oder auch schon vorher unser eigener Vermieter. Solange man nicht (relativ) sicher sein kann, dass man sein eigenes Geschäft auch noch in mehreren Jahren vernünftig und rentabel betreiben kann, wird wohl kein vernünftiger Kaufmann einen sechsstelligen Betrag in die Hand nehmen, um sein Geschäft auf einen aktuellen Stand zu bringen.

Und die Verkehrssituation?
Wer regelmäßig auf der Hochstraße unterwegs ist, der kennt die Verkehrssituation. Trifft man mit seinem PKW auf der Hochstraße auf einen LKW, dann hat man verloren. Einer muss auf den Bürgersteig ausweichen und/oder zurücksetzen. Am Küpperssteg gilt ein oft missachtetes Rechts vor Links, dass es hier nicht öfter kracht, ist ein kleines Wunder. Eine Verbreiterung des Küppersstegs würde dem sicherlich zugute kommen, allerdings darf man nicht vergessen, dass auch den Penny und den Getränkemarkt zusammen zwischen 600 und 1.000 Kunden pro Tag ansteuern dürften, ein Großteil davon mit dem PKW.

Für die Anwohner wird das schon eine ziemliche zusätzliche Belastung und die Situation wird sich weiter verschlechtern.

Angedachte Einbahnstrassenlösungen für Hochstraße sind wenig praktikabel und würden dafür auf anderen Straßen (Luziastraße, Markt, Pinnertstraße, Flutweg, Ringstraße, Kevelaerer Straße) für erhebliche Mehrbelastungen sorgen. Die Anwohner werden sich bedanken!

Noch ein Getränkemarkt, noch ein Backshop?
Mit Siebrecht, Vloet und dem Fahrenden Bäcker aus Lüllingen dürfte Walbeck ausgesprochen gut mit Backwaren versorgt sein. Zusätzlichen Bedarf sehe ich hier beim besten Willen nicht, dies würde ausschließlich zu Lasten der bestehenden Betriebe gehen.

Ein Getränkemarkt im Ort wäre vielleicht noch ehesten zu vertreten, allerdings würde man damit dem seit langen Jahren in Walbeck ansässigen und leistungsfähigen Getränkemarkt Geldermann eine Menge Wasser abgraben. Der liegt zwar etwas außerhalb, aber wenn man Getränke einkaufen geht ist man normalerweise sowieso mit dem Auto unterwegs, da machen die paar hundert Meter auch keinen gewaltigen Unterschied. Warum also bestehende Unternehmen gefährden.

Im Getränkemarkt-Bereich ist derzeit sowieso schon einiges los, viele Unternehmen mussten in den letzten Jahren die Segel streichen. Gerade vor wenigen Wochen musste die Firma Giese aus Duisburg mit 25 Märkten Insolvenz anmelden, mit betroffen sind auch die “Getränke-Arena” Märkte in Geldern und Weeze. Probleme bereiten sinkenden Margen, Verschiebungen von Mehrweg-Kisten zu Einweg-PET-Gebinden und eine vielerorts anzutreffende “Übersättigung” mit Getränkemärkten.

Ist REWE grundsätzlich gegen einen Discounter?
Nein, nicht grundsätzlich. Einen Aldi oder Lidl würden wir gerne direkt gegenüber (und auch nirgendwo anders) haben. Denn Aldi und Lidl bringen Frequenz, bei Penny haben wir da allerdings erhebliche Zweifel. In der Focus Online-Leser-Bewertungsliste der Lebensmitteleinzelhändler findet man Penny übrigens auf Platz 11 von 19, deutlich hinter vielen anderen Händlern wie netto(1), REWE (3), Aldi(4), Kaufland(5), Lidl(6) und Edeka(8).

Allerdings werden Aldi oder Lidl (leider) nicht kommen, weil sie gewisse Anforderungen an potenzielle Standorte haben, die Walbeck nunmal nicht erfüllt, auch wenn man sich die Zahlen noch so “schönrechnet”.

Zu guterletzt
So, mein Beitrag ist doch ziemlich lang geworden. Ich habe versucht alle Aspekte zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen. Ich habe versucht, objektiv zu sein, was mir zugegebenerweise möglicherweise nicht in allen Punkten gelungen ist.

Wer mich kennt, der weiss, dass ich für sachliche Argumente und Kommentare immer offen bin. Fragen und Anregungen nehme ich gerne auf und nehme Stellung dazu.

Ein Kommentar

  1. Clemens Clahsen

    Hallo Walbecker, hallo Franz,

    Viel möchte ich nicht dazu schreiben, da ich schon oft und viel Schaden und Umsatzeinbußen in meinem kleinen Geschäft außerorts von Walbeck auch und vorallem von Walbeckern erfahren habe, die halt nur eine andere Meinung zu verschiedenen Themen haben, wie ich sie denn schon mal geäußert habe.

    Nur so viel, im Großen und ganzen möchte ich die Anmerkungen von Franz Arias mit einem dicken Stift untersteichen, nicht`s gegen den Investor oder euerem Nachbarn, aber für mich sieht dies so aus, als ist die Idee eine ganz andere währe, was ich gut verstehen kann:

    Das Anwesen und die Fläche die demnächst wohl frei wird, zu einem max. an Sicherheit und Nutzen einer neuen Aufgabe zugewiesen werden soll.

    Denke wenn eine andere Idee für den Investor finanzielle Sicherheit versprechen würde, wären wir schnell bei einem anderen Thema das nun nicht unbedingt Penny, Lebensmittel oder sonst was heißen muss.

    Was passiert denn, wenn der Erfolg für Penny an dem neuen Standort Walbeck (wenn es wirklich dazu kommt) nicht wie erhofft Eintritt ?

    Die Ausführungen von Franz sprechen doch eine klare nachvollziehbare Sprache .

    Vielleicht braucht das alles noch ein bisschen Zeit, wie eigentlich alles, was den Walbeckern am Herzen liegt.

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